Home  »  News   »   Familie und Leben   »   Darf man oder darf man nicht?

Familie und Leben

Darf man oder darf man nicht?

Natürlich gibt es in jeder Eltern-Kind-Beziehung eine Menge Gesprächsstoff. Die „Ich darf das“ -Konstellation führt jedoch immer wieder zu Fragen. Wir möchten an einigen Beispielen aufzeigen, wie es rechtlich aussieht:
 

1. Dürfen Kinder das Zimmer abschließen – und haben ein Recht auf Privatsphäre?

Ein ganz klares JA! Alle Menschen, egal ob alt oder jung, haben ein Recht auf Privatsphäre. Das ist übrigens auch in der UN-Kinderrechtskonvention verankert. Ab einem gewissen Alter ist es daher durchaus legitim, wenn euer Kind seine Zimmertür lieber zu machen oder gar absperren will. Solange ihr nicht einen begründeten Verdacht habt, dass euer Kind sich gefährdet, z. B. durch Drogen oder Selbstverletzung, solltet ihr eurem Kind dieses Recht auch zugestehen. Ein Recht aufs Zuschließen gibt es nicht, aber definitiv ein Recht auf Anklopfen (was auch bedeutet, dass ihr draußen bleibt, wenn der Zutritt verneint wird – so lange keine Gefahr besteht).
 

2. Darf mein Kind Freunde nach Hause einladen?

Generell sollte das kein Recht sein, dass euer Kind fordern muss, sondern eine Selbstverständlichkeit. Aber natürlich gibt es Situationen in denen Besuch von anderen Kindern nicht angebracht oder machbar ist bzw. die häusliche Situation einfach nicht gegeben ist (Platzmangel, Krankheiten, etc.) Wer ins Haus darf, bestimmen alleine die Eltern, da sie das Hausrecht für ihr Haus oder die Wohnung haben. Wenn euch die Freunde eurer Kinder nicht gefallen, dürft ihr ihnen also den Zutritt zu eurem Zuhause verwehren. Dann treffen sich die Kids aber vermutlich einfach woanders. In solchen Fällen immer lieber das Gespräch mit euren Kindern suchen und versuchen das Problem grundsätzlich zu lösen, statt einfach nur zu verbieten.
 

3. Darf ich die Briefe, Emails oder Messenger-Nachrichten meines Kindes lesen?

Nein, dürft ihr nicht. Auch bei der Post greift das gesetzlich verankerte Recht auf Privatsphäre. Die privaten Nachrichten, in welcher Form auch immer, sind für euch tabu – sofern kein begründeter Verdacht auf eine Gefährdung vorliegt. Das gilt natürlich erst ab einem Alter, in dem eure Kinder, die an sie gerichtete Post auch lesen können. Briefe von Ämtern, Versicherungen o. ä. die auch kleine Kinder schon bekommen, dürfen bzw. müssen von den Eltern geöffnet werden. Übrigens dürfen eure Kinder im Gegenzug auch nicht eure Post öffnen!
 

4. Dürfen Kinder bzw. ab wann dürfen Kinder bestimmen zu Bett zu gehen?

Bei kleinen Kindern ist natürlich klar, dass die Eltern entscheiden, wann das Kind ins Bett muss. Aber wie sieht es bei Teenagern aus? Greift hier das Recht auf Selbstbestimmung? Nicht wirklich, denn generell müssen sich die Kinder bis zur Volljährigkeit (bzw. solange sie bei den Eltern wohnen) an die Regeln der Eltern halten. Das schließt die Schlafzeiten ein.
Bei älteren Kindern ist es aber sinnvoll, die Zeiten gemeinsam festzulegen und auch auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder zuzuschneiden – nicht jedes Kind braucht gleich viel Schlaf. Aber auch Eltern haben das Recht auf etwas Ruhe am Abend.

5. Taschengeld – müssen Eltern das bezahlen?

Hier werden viele Kinder enttäuscht sein: einen gesetzlichen Anspruch auf Taschengeld gibt es nicht. Natürlich ist es aus pädagogischer und zwischenmenschlicher Sicht dennoch eine gute Idee, eurem Kind etwas Taschengeld zu geben oder eine andere Regelung zu finden. Denn damit lernen Kinder den selbstbestimmten und hoffentlich vernünftigen Umgang mit Geld.

Falls das Kind Taschengeld bekommt, darf es dann ganz frei darüber verfügen?

Paragraphisch mit Artikel § 110 des BGB gesprochen: Ab dem siebten Geburtstag sind Käufe von Kindern wirksam, wenn sie mit Mitteln bewirkt wurden, die ihnen zur freien Verfügung überlassen wurden. Das heißt, dass euer Kind mit seinem Taschengeld (oder anderen Geldgeschenken) grundsätzlich kaufen darf, was es möchte. Allerdings greift der Paragraph nicht bei teuren Anschaffung, diese fallen laut Auskunft der ARAG Experten im Regelfall nicht unter die Vorschrift des sogenannte „Taschengeldparagraphen“. Der entsprechende Vertrag kann daher ohne Genehmigung der Eltern unwirksam sein.

Anschaffungen die Folgekosten nach sich ziehen, z. B. ein Haustier oder Handyvertrag, sind niemals ohne Genehmigung der Eltern wirksam.
 

6. Ab wann dürfen Kinder allein zu Hause bleiben?

Eltern haben ihren Kindern gegenüber eine gesetzliche Aufsichtspflicht. Diese ist aber nicht exakt definiert. Ab einem gewissen Alter ist es den Eltern überlassen, für wie verantwortungsvoll sie ihr Kind halten, um eine Zeit lang allein zu Hause zu bleiben.
 

7. Dürfen sich Kinder Piercings oder Tattoos machen lassen und sich die Haare färben?

Piercings und Tattoos benötigen (zu Recht) die Zustimmung der Eltern. Nach Auskunft der ARAG-Experten dürfen Teenager ab einem Alter von 14 Jahren im Beisein ihrer Eltern gepierct werden. Mit 16 müssen die Eltern nicht mehr dabei sein, allerdings eine schriftliche Einverständniserklärung abgeben. Ab 18 dürfen eure Kinder mit ihrem Körper machen, was sie wollen. Auch das Haare färben ist bis zur Volljährigkeit ohne eure Erlaubnis eigentlich verboten. Aber über diesen Punkt lassen die meisten Eltern mit sich reden.
 

8. Dürfen Teens einfach ausziehen?

In der Pubertät geht es zu Hause oft hoch her. Es wird gestritten, Türen geknallt und mit dem Auszug gedroht. Das ist glücklicherweise nur eine Phase und das Ausziehen bedarf der ausdrücklichen Zustimmung der Eltern. Denn laut Paragraph § 1631 des BGB umfasst die Personensorge der Eltern das Recht zu bestimmen, wo das Kind wohnt. Macht euer Teenager ernst und sucht sich tatsächlich eine eigene Bleibe (was in der Praxis generell sehr schwer sein dürfte), ist der von dem Jugendlichen abgeschlossener Mietvertrag ohne die Genehmigung der Eltern nicht wirksam.
 
(Quelle: familie.de)


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.