Home  »  News   »   Familie und Leben   »   Co-Parenting: keine Liebe, aber dennoch Kinder dank Vermittlungsportalen

Familie und Leben News

Co-Parenting: keine Liebe, aber dennoch Kinder dank Vermittlungsportalen

co_parenting_2016_04

Co-Parenting als neues Modell, gemeinsam Kinder zu bekommen, diese großzuziehen, aber lediglich in einem freundschaftliche Verbund miteinander zu leben. Ein Modell, dass laut Jugendforscherin Sabine Walper (am Deutschen Jugendinstitut in München) durchaus Chancen hat, sozusagen eine gemeinsame Elternschaft ohne Paarbeziehung, eine Art Vernunftehe für den Nachwuchs.

Sie meint:

„Es zeigt zumindest, dass es alles nicht so einfach ist mit der Liebe, mit der Partnerwahl. Offensichtlich ist das ein Weg, auf dem man versucht, seinen Kinderwunsch zu erfüllen, da wo es mit der Partnerschaft auf Anhieb nicht geklappt hat.“ 

Walper stellt diesbezüglich die Frage, ob dieses Modell vielleicht sogar dem Kind zu Gute kommt…

wenn die Eltern ihre eigenen Glückswünsche in der Partnerschaft ein bisschen herunterschrauben und stärker in den Vordergrund stellen, worum es dann geht, wenn man Kinder großzieht: Dass man halbwegs gut miteinander kooperiert und ansonsten diese Aufgaben rund um das Kind in den Vordergrund stellt“.

Fest steht, immer mehr Menschen mit Kinderwunsch, die sich fürs „Co-Parenting entscheiden, finden sich mithilfe von Online-Portalen. Diese erfahren gerade einen gewaltigen Anstieg an Nutzern, vor allem in New York, Los Angeles und London. Wesentlich dabei, dass auch viele Heterosexuelle diese Seiten nutzen und nicht weiter auf die große Liebe, die vielleicht doch nicht kommt, warten wollen. Wie man jedoch online den richtigen Partner oder die richtige Partnerin für durchwachte Nächte, bekotzte Bettlaken, Fieberschübe und Durchfall auswählen soll, bleibt unbeantwortet. Dennoch zeigen Beispiele, wie Hope aus Los Angeles, dass man mit diesem Lebensmodell glücklich werden kann. Hope ist eine Vorreiterin des Co-Parenting und hat das Konzept praktiziert lange bevor es zum Trend wurde. Freudig verkündet sie, dass sich ihr Leben mit ihrem heute 22-jährigen Sohn komplett verändert habe. Und auch ihre vier Jahre alte Tochter – gezeugt durch künstliche Befruchtung – habe ihre Welt bereichert.

Hope, die jetzt für ihr drittes Kind einen Mann sucht, sagt: „Ich musste mich 15 Jahre demütigen lassen. Auch als ich nach einem dritten Co-Parent suchte, hielten die Leute mich für nicht ganz dicht. Doch jetzt hat die Welt endlich zu mir aufgeschlossen“. Endlich kann ich mir von vielen Männern, die alle hervorragend geeignet sind, einen aussuchen. Auf einmal hab ich die Qual der Wahl. Das ist irgendwie auch ein Schock.“

Seiten wie Modamily bieten eine große Anzahl potentieller Partner, Hope ist ebenfalls dort angemeldet. Nach Aussagen vom Gründer Ivan Fatovic sind zwei Drittel der Nutzer seiner Seite Frauen, meist zwischen 35 und 45 Jahren. Nur 20 bis 25 Prozent der Nutzer sind homosexuell. Aber: „Die Beziehung wird schwieriger als das Kennenlernen, schließlich geht man eine lebenslange Verpflichtung ein“, gibt Fatovic zu bedenken.

Kinder großzuziehen ist eine Mammutaufgabe, die lange dauert. Fraglich ist deshalb, ob eine derartige Kooperationsbeziehung stabil genug ist, um dies zu schaffen und ob der Verzicht auf Liebe und Romantik in all den Jahren so einfach möglich ist…?


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.