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Kolumnen

Von Chaosdinosauriern, Wollmäusen und Ordnungsmonstern

Früher hatte ich eine Freundin mit Kind, die ich wahnsinnig gern besucht habe. (Warum früher? Das ist eine andere Geschichte, aber Menschen ändern sich eben.) Bei ihr war alles bunt, voller Bilder, Mobiles, Dekorationen, Regale mit unzähligen Kinderbüchern, Stofftieren, Handpuppen und Spielteppichen. Jeder Raum sah nach Kinderzimmer aus. Das fand ich toll und selbst im Bad entdeckte ich Filzstifte, die scheinbar für Klopapiermalereien bereit lagen. Es war, als ob man in eine 3-Raum-Kinderwelt eintauchte. Allein, das wilde Durcheinander empfand ich als ein wenig anstrengend. Man musste immer achtsam auf den Boden schauen, damit man auf nichts trat und der Platz zum Sitzen bedurfte einer kleinen Freiräumaktion.

Zu dieser Zeit wohnte ich in einer Singlewohnung, die alle zwei Wochen von einer wunderbaren Putzfee auf Vordermann gebracht wurde. Ich war der Meinung, dass man die wenige freie Zeit neben der Arbeit mit eindeutig Schönerem und Spannenderem als Sauber machen verbringen kann (der Meinung bin ich übrigens immer noch, hilft nur nix). Deshalb also ein wenig Hilfe für den schnöden Haushalt. Dennoch sah es manchmal aus als ob ein Erdbeben alles durcheinander gebracht hatte, aber in dem Fall war ich dann das Erdbeben. Wenn ich mich aufraffen konnte und aufräumte, freute ich mich über den persönlichen Erfolg und es blieb normalerweise für ein paar Tage auch so – damals wars…

Jetzt gibt es Mann und Kinder und manchmal träume ich von der aufgeräumten Ex-Wohnung und der Putzfee. Laut einer Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Deutschen Annington beschäftigt sich die Mehrheit der Deutschen täglich bis zu zwei Stunden mit dem Haushalt. Das sind aufs Jahr gerechnet bei 70 Prozent der Deutschen ein ganzer Monat, der für Putzen, Aufräumen oder Wäsche drauf geht. Dass in westdeutschen Familien ca. 40 Minuten mehr geputzt wird (117 Minuten)  als in ostdeutschen (101 Minuten) ist zwar löblich, macht es aber insgesamt kein bisschen besser. Keine Ahnung ob hier die Quote an voll berufstätigen Frauen Schuld ist, aber generell stellt sich mir schon die Frage:  wie soll man es tagtäglich mit acht Stunden Arbeit, Kinder bringen und holen, mit spielen, reden und schmusen noch schaffen, in guten anderthalb Stunden alles schicki zu machen? Und mal ganz davon abgesehen, ob und wie das machbar ist, will ich das überhaupt? Denn was ist denn, wenn ich gewollt habe?

Nur mal angenommen: die Küche ist ordentlich, der Abwasch ist abgewaschen, der Müll ist entsorgt. Alle Zimmer sind nach einer Aufräumaktion gesaugt und duften frisch gewischt. Alle Schuhe stehen fein in Reih und Glied am Boden der Garderobe. Der große Tisch im Wohnzimmer, der auch Esstisch ist, wurde vom Spielzeug befreit und hat frische Blumen. Vor, hinter, neben, auf der Couch ist alles leer – bis auf das eine Buch auf der Lehne, welches ich gleich, bald, irgendwann lesen möchte und das für den Moment ungemein dekorativ aussieht.

Wenn ich ehrlich bin, braucht es nur einen Abend und einen Morgen und schon ist die Schönheit wie von Zauberhand verschwunden. Die Küche braucht dann wieder eine kleine Generalüberholung, denn am Abend wurde gekocht. Durch die aufgereihten Schuhe ist einmal freudig das Hundetier gelaufen, so dass jetzt der lila Hausschuh zwei Meter weiter liegt und nichts mehr in Reih und Glied steht. Der gute Mann hat gestern Abend Schweppes getrunken, was mir die leere Flasche verrät und offensichtlich ganze acht Bonbons verschlungen – ich kann es an den Papierchen in der Couchritze perfekt nachvollziehen. Und das Kind, was uns traumhaft angezogen mit einem Papi-T-Shirt als Abendkleid geweckt hat, war wohl vorher am Kleiderschrank und sortierte die frische Wäsche, die gestern noch gestapelt auf der Bank daneben platziert war, neu. Es war zeitig wach, denn dazu gibt’s jetzt Plastikwürste vom Kaufmannsladen im Flur und Autos im Bad. Neue Bilder am Boden des Kinderzimmers und Stifte im Bett, hinter der Tür und im Sockenfach.

Anziehen, Zähne putzen, Haare kämmen. Als ich nach dem Chaos frage, krabbelt mir das Kind schmusend auf den Schoss und erzählt von dem bösen Dinosaurier, der alles verwüstet hat. „Aber Mami, das der Dinosaurier nicht mit Absicht gemacht.“ Aha. Was, schon so spät? Wir müssen noch frühstücken. Rein in die Küche. Essen. Dann braucht es noch Schuhe, Jacke und Tasche. Nein, heute also nicht die blaue Jacke und auch nicht die blauen Schuhe. Gut. Dann eben die rote Jacke. Schnell. Der Mann will los. Blaue Schuhe und Jacke bleiben liegen. Ach und noch einmal Durst. Fix noch einen Schluck. Die Saftflasche findet den Weg auch nicht mehr in den Kühlschrank. „Tschüß. Viel Spaß. Bis heute Nachmittag!“

Und täglich grüßt das Murmeltier. Alle Zimmer sehen wieder irgendwie nach Kinderzimmer aus… (So wie ich es damals bei der Freundin als wunderbar gemütlich empfunden habe.) und als ob ich gestern gar nichts gemacht hätte. Ein Wunder, das trotz aller Anstrengungen jeden Tag aufs Neue passiert. (Wäre ein ganz reiner, spartanisch eingerichteter Raum mit viel Luft und ohne Spielzeug, der einfach immer aufgeräumt und schick ist, nicht traumhaft?)

Achja, dem Wunder der Unordnung  kann man ja offensichtlich mit Theorie begegnen. Hier also für Ordnungsmonster und die, die es gern richtig machen wollen Herr Martin Krengel  aus seinem Buch Golden Rules – erfolgreich lernen und arbeiten. Alles, was man braucht

Organisation heißt Aufmerksamkeitssteuerung.
Das Ziel von Ordnung und Organisation ist es, Energie zu lenken: Weg von ablenkenden Dingen, hin zu den wirklich wichtigen Aufgaben und Prozessen. Mindestens dein Schreibtisch und die Arbeitsoberfläche auf deinem Computer sollten deshalb so wenig ablenkende und Unübersichtlichkeit stiftende Objekte enthalten wie möglich.

Reduziere kognitive Last durch Kategorien.
Durch Bündelung nach dem Prinzip „Gleiches zu Gleichem“ reduziert sich Kleinkram in überschaubare Einheiten. So sortiert und findet es sich leichter.

Lege Dinge nach dem Reichweite-Prinzip ab.
Oft benutzte Dinge kommen in Griffnähe, Unwichtigeres weiter weg. Ablagen für kurz-, mittel- und langfristige Dokumente halten dir die Augenwinkel frei. Auch das gilt wieder für deinen realen Schreibtisch wie auch den Desktop und dein E-Mail Postfach.

Mache Aufgaben sichtbar.
Richte Aufgabenstapel ein, schreibe Selbstanweisungen darauf oder lege Dinge mitten in den Weg. Post-Its können deine Erinnerungsleistung erweitern, gewöhne dich außerdem an (To-Do-)Listen, die du gut sichtbar in deiner Wohnung verteilst.

Befreie dich von unnötigem Ballast.
Mache neue Räume in deinem Leben frei und trenne dich von alten, nebensächlichen und energieraubenden Dingen.

Nutze alle sechs Wände.
Investiere in die richtige Ausrüstung, funktionale Möbel und beweise etwas handwerkliches Geschick. So findet alles seinen Platz.

Sei Prozessmanager!
Analysiere, welche wiederkehrenden Aufgaben du bearbeiten musst. Richte dein Ordnungssystem gemäß diesen Prozessen aus. Ein Posteingang aus Hartplastik ist in der Studienzeit vielleicht noch nicht nötig, ein Ordner für wichtige Unterlagen in Griffweite hingegen schon.

Nutze dein externes Gedächtnis.
Computer, Smartphone Apps und andere technische Geräte sind Werkzeuge, die unsere Denkkapazität erweitern oder effizienter machen. Suche dir die besten Tools und trainiere den effizienten Umgang.

Es darf ein wenig Kreativität sein.
Bringe ein wenig mehr Kreativität in dein Leben, um es etwas witziger, anregender oder bunter zu machen. Das gilt sowohl für die Büro Organisation als auch für deine Ordnung im Leben.

Baue einen Damm gegen die E-Mail-Flut.
Strukturiere deine E-Mails gemäß deinen Prozessen und achte beim Verfassen der Texte auf Effizienz. Nutze Abkürzungstaktiken.

Sabine Henriette Schwarz “ Von Chaosdinosauriern, Wollmäusen und Ordnungsmonstern „


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