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Ein bisschen mehr Freundlichkeit bitte!

Wenn ich mir was wünschen könnte, jetzt, ganz eigennützig, so wäre es eine explosionsartige Welle von Freundlichkeit, die über die geschätzten 81 Millionen deutschen Mitmenschen kommt. Genauer gesagt eine Woge der Kinderfreundlichkeit. Selbst der alte Aristoteles erkannte, dass „der Freundliche seinem Gegenüber liebenswürdig begegnet und ihm das Interesse entgegen bringt, das ihm gebührt. Er nimmt Rücksicht auf andere…. im Allgemeinen soll er sich im Verkehr auf die rechte Art verhalten“. Schade, dass der alte Grieche so wenig Gehör findet.

Irgendetwas scheint hierzulande schief gelaufen zu sein. Vielleicht hat sich der Nachwuchs von Hulk Hogan, King Kong, Godzilla und Frankenstein irgendwann vor langer, langer Zeit zwischen Elbe und Oder zusammen gerottet und so Angst und Schrecken verbreitet? Möglicherweise fielen irgendwann böse Vampire als niedliche Kinder gewandet über den deutschen Mischwald, über Feld und Flur herein und trieben ihr Unwesen? Wahrscheinlich fehlt dieses Kapitel in deutschen Geschichtsbüchern, aber ich bin mir sicher, etwas ist passiert. Etwas, was in den europäischen Nachbarländern nicht geschehen ist. Anders und mit mütterlich gesundem Menschenverstand ist das Verhalten der mürrischen, fast feindlichen Mitschaffenden nicht zu erklären.

Leider viel zu oft scheint das an Körpergröße, an Verstand und in Jahren kleine Gegenüber ein störendes Subjekt. Eine Anmaßung auf zwei Beinen. Ein Störenfried in der disziplinierten Ruhe. Von Rücksicht und der „rechten Art“ möchte ich gar nicht reden. Denn beides kann ja erst zum Einsatz kommen, wenn die Zwerge überall willkommen sind und sich die kindlichen Tabuzonen reduziert haben.

Ich möchte die Kids gern selbstverständlich bei mir haben, sie mitnehmen und teilhaben lassen – schließlich besteht die Welt nicht nur aus Kindergarten, Spielplätzen, Schulen und extra überschriebenen Kinderaktivitäten. Ich möchte mit ihnen ins Cafe gehen und eine Limonade trinken. Gern auch ohne Augen rollende Kellner, die bereits mit einem Stück trockenem Brötchen als Sonderwunsch überfordert sind. Ich würde liebend gern den Supermarkt besuchen und dem Kind seinen eigenen kleinen Korb gönnen ohne dass der kleine Mensch von großen Füßen getreten, weiter geschubst oder umgerannt wird. Traumhaft wäre auch eine entspannte Urlaubssuche jenseits von Bauernhöfen und Clubhotels, wo das Mitbringen des Nachwuchses nicht als Zumutung empfunden und dementsprechend geäußert wird. Und ich rede nicht vom Romantikhotel, wo Frischverliebte zweiundzwanzig Stunden des Tages zwischen zerwühlten Laken verbringen, um sich in den verbleibenden zwei Stunden engumschlungen in Pool und Sauna zu erholen. Da habe ich selbstverständlich Verständnis. Gegen ein wenig Romantik und den Genuss kinderfreier Zeit ist nichts einzuwenden (achja – ein kleiner Seufzer ist an dieser Stelle nicht zu vermeiden).

Traumhaft wäre auch ein wenig berufliche Flexibilität und Menschen in der Chefetage, die das Muttersein nicht als fiesen, ansteckenden Virus ansehen, dem man unbedingt aus dem Weg gehen sollte. Zuerst ist man noch ein kinderloser, aufstrebender Hoffnungsträger im allgemeinen Getriebe der Arbeitswelt, danach ist man zwar immer noch aufstrebend und hoffnungsvoll, aber bedauerlicherweise wird man eher als infektiöser Partikel  gesehen. Nur nicht zu viel davon an einem Ort und eher geduldet als gewünscht. Wahrscheinlich haben sie alle – jenseits der Mama-Papa-Clubs –  von dieser monströsen Epidemie der gewaltigen kindlichen Monster gehört. Eine Grimmsche Überlieferung, der ganz anderen Art, die jetzt alle Eltern und ihren Nachwuchs heimsucht und erst an der Landesgrenze seine Macht verliert.

Da darf man dann wieder ohne strafende Blicke toben, quietschen, krümeln, kleckern, schreien, spielen – sogar ohne zugewiesene Plätze.  Was ist denn da anders? Manches kann ich mir einfach nicht erklären.

Mein Mutterherz ist bei so viel Schroffheit und Abneigung ein wenig deprimiert. Es wird mitunter sogar selbst von der das-Kind-muss-lieb- und-leise-sein-Illusion heimgesucht. Da ertappe ich mich, wie mir das laute Schnattern in der Gruft-ähnlichen Atmosphäre der Frauenarztpraxis unangenehm ist. Wie ich schnell die Kuchenkrümel wegräume, die beim Papageienkuchen verstreuselt im Cafe liegen. Wie ich das Kind ermahne, an der Kinokassenschlange nicht vorfreudig herum zu hüpfen, und wie ich zusammenzucke, wenn es an allen nur möglichen oder unmöglichen Orten lautstark nach dem nächsten Klo fragt.  Man muss schon ein dickes Fell haben, gar nicht für das eigene Menschenkind (außer: es hat gerade einen Tobsuchtsanfall) sondern eher für die ätzenden, betrüblichen und unverschämten Reaktionen der anderen. Ich fühle mich dann immer irgendwie störend, zu laut, zu unpassend….. Ja, genau das ist es. Man passt irgendwie nicht. Mit Kind ist man nicht beschaulich, mustergültig, präzise, pünktlich, akkurat oder geradlinig. (Das hab ich mir übrigens nicht gerade beim Blick in die Teetasse ausgedacht, es stammt aus einer Erhebung, die der Frage: „Was ist typisch deutsch? “, nachgeht)

Das ist doch ein Widerspruch in sich. Das, was den Deutschen auszeichnet, steht in krassem Widerspruch zum plappernden, hüpfenden, singenden,  stürmischen, leichtsinnig unbeständigen Dreikäsehoch. Der ist eher so unbeständig wie das Wetter (… „mal Regen und mal Sonnenschein, was sind das nur für Scherereien“)

Also, liebe gute Fee, wenn ich mir was wünschen dürfte, ein wenig mehr Freundlichkeit für die kleinen Mitmenschen trotz erschwerter Bedingungen, bitte! Sie haben es verdient und ihre Eltern auch!

In diesem Sinne, Ihre Sabine Henriette Schwarz

Ein bisschen mehr Freundlichkeit bitte! – von Sabine Henriette Schwarz


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