Home  »  News   »   Familie und Leben   »   Betreuungsgeld , wie Gerichte und Frauen das Thema sehen

Familie und Leben

Betreuungsgeld , wie Gerichte und Frauen das Thema sehen

Betreuungsgeld , wie Gerichte und Frauen das Thema sehen

Nach dem Urteil aus Karlsruhe könnte das Betreuungsgeld, welches im Jahr 2013 auf Betreiben der CSU eingeführt worden ist, noch bis nächstes Jahr weiter gezahlt werden. 150 Euro erhalten bisher Eltern, die keine staatlich geförderte Kinderbetreuung, das heißt Kita oder Tagesmutter bzw -vater, in Anspruch nehmen. 2014 bezogen fast 390.000 deutsche Familien das Betreuungsgeld. In ganz Deutschland wurden dabei 2014 rund 403 Millionen Euro ausbezahlt.

Jemand, der jetzt einen Antrag gestellt hat, wird auf jeden Fall leer ausgehen. Zumindest bei den Eltern, die die Leistung schon beziehen oder einen positiven Bescheid haben, könnten sich Juristen auf den Vertrauensschutz beziehen. Solange dieser rechtlich anerkannt wird, müsse weiter gezahlt werden. Das Bundesverfassungsgericht habe die Leistung des Betreuungsgeldes aber insgesamt als verfassungswidrig erklärt. Die Karlsruher Richter hatten entschieden, dass die Familienleistungen keine Bundes-, sondern eine Ländersache seien. Das Ganze wird aus formalen Gründen gekippt. „Wegen der fehlenden Zuständigkeit des Bundes hat sich der Senat nicht mehr mit der materiellen Frage befasst, ob ein Betreuungsgeld mit den Grundrechten vereinbar wäre“, sagte Gerichtsvizepräsident Ferdinand Kirchhof in Karlsruhe. Das Betreuungsgeld sei nicht zur Herstellung gleicher Lebensverhältnisse notwendig, begründet das Gericht.
Wir möchten Euch zeigen, warum drei Frauen Betreuungsgeld beantragt haben und was es für ihr Leben mit den Kids zu Hause bedeutet.

Linda Moser, 32, ist verheiratet und hat vier Kinder im Alter von 12, 8, 5 und 18 Monaten. Sie bekommt das Betreuungsgeld für ihren jüngsten Sohn. Mit ihren vier Kindern hat sie l einen 16-Stunden-Tag. Sie hat sich ganz bewusst dafür entschieden Krankenschwester, Putzfrau, Taxiservice und Köchin zu sein. Teilzeitjobs gibt es in ihrer Gegend im Hotel- und Gaststättengewerbe leider nicht. Frau Moser meint, dass das Betreuungsgeld in Sachsen-Anhalt bestimmt nicht weitergezahlt wird, weil es ja dort kaum jemand beantragt. Sie nutzt das Geld, um etwas in die Riester-Rente einzuzahlen. Vielmehr findet sie auch, dass jedes Familienmodell einfach akzeptiert werden sollte.

Laura Möller, 30, hat einen knapp zwei Jahre alten Sohn und einen drei Monate alten Sohn. Sie bezieht für den großen Sohn Betreuungsgeld und findet es schade, dass es ab jetzt nicht mehr möglich ist, Betreuungsgeld zu beantragen. Denn: Geld als Wertschätzung findet sie wichtig. Mit den zwei kleinen Knirpsen fühlt sie sich auch nicht so, als würde sie nicht arbeiten. Natürlich ist es eine individuelle Entscheidung zu Hause zu bleiben, doch hat sie es nicht mit sich vereinbaren können, den ersten Sohn klitzeklein in die Krippe zu geben. Ihr Mann arbeitet als Arzt in Vollzeit. Das Betreuungsgeld hatte auf die Entscheidung des zu Hause-Bleibens keinen Einfluss. Es war für sie eine klare Sache. Den Zuschuss zu beantragen war eher den Umständen einer höheren Miete verschuldet. Von 150 Euro kann man einige Windeln kaufen. Aber so viel ist es nun auch wieder nicht. Trotzdem ist es gut, einen kleinen Zuschuss zu bekommen. „Ich finde es wichtig, dass jeder die Wahl hat, wie er sein Kind in den ersten Jahren umsorgen möchte, und da ist es einfach schön, vom Staat eine Wertschätzung für sein Modell zu erfahren.“

Marie Auermann, 32, ist verheiratet und hat einen dreijährigen Sohn sowie eine einjährige Tochter. Für den Sohn bekommt sie das Betreuungsgeld. Sie arbeitet nebenbei selbstständig als Kochlehrerin und Trageberaterin. Das bringt noch etwas Geld in die Familienkasse. Sie findet es nicht schlimm, dass der Gerichtshof das Betreuungsgeld kippt. Sie findet das Geld hätte viel gerechter verteilt werden können. Über alternative Ideen hätte sich Frau Auermann mehr gefreut. Zum Beispiel über die Idee, das letzte verpflichtende Kindergartenjahr gratis anzubieten. Das wäre ihrer Meinung nach für alle Eltern gerechter gewesen. Nicht jeder kann sein Kind in den ersten Jahren betreuen. Sie glaubt nicht, dass irgendjemand wegen dem Betreuungsgeld nicht mehr Arbeiten geht.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.