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Der bessere Lehrer- Roboter an Schulen in Japan

Der bessere Lehrer- Roboter an Schulen in Japan

Immer mehr Roboter unterrichten in Japan an Schulen, sie fragen Vokabeln ab und turnen in der Sportstunde vor. Noch haben die Androiden Mängel, dennoch machen sie auf die Schülerinnen und Schüler einen positiven Eindruck.

Vom Lehrling am Fließband zum Lehrer

In Japan mausern sich so langsam Roboter von Lehrlingen am Fließband zu Lehrern: ein Team von Ingenieuren der Universität Osaka hat in den letzten sechs Jahren zwei neue Typen von Robotern in Grundschulen eingesetzt. Noch sind sie nicht ausgereift, denn sie können nicht auf Fragen antworten oder missverstehen die Kinder. Ihre künstliche Intelligenz reicht gerade gegenüber Kindern, deren Wortschatz sich noch entwickelt, oft nicht für sinnvolle, spontane Antworten aus. Die anfänglichen Zweifel japanischer Lehrervereinigungen haben sich schon wieder gelegt, weil Lehrer kaum durch Roboter ersetzt werden können

Japan, das Land der Roboter

Nicht zufällig gilt Japan als das Land der Roboter. Kluge Maschinen werden hier seit Jahrzehnten in der Industrieproduktion eingesetzt, ebenso in Einkaufszentren oder Krankenhäusern. Seit kurzem auch in Schulen, Universitäten sowie daheim beim Nachhilfeunterricht. Für mosernde Experten und Eltern über eintönigen Unterricht sind Roboter ein willkommener Reformversuch. In Fächern, die per Frontalunterricht funktionieren, in Japan zum Beispiel Geschichte, halten Roboter zur Abwechslung auch schon mal eigenständig Vorträge.

Nao begeistert Kids

Das knapp 60 Zentimeter große Plastikmännchen Nao begeistert die Kids in der Sportstunde, im Kopfrechnen und im Kaligrafiekurs. Nao hat sich, obwohl der Roboter um die 12.000 Euro kostet, in Japan schon einige Tausend Male verkauft. Auch in britischen und amerikanischen Schulen ist Nao schon im Einsatz. Mit seinem beweglichen Körper, den ultrasensiblen Händen und dem niedlichen Kopf mit großen Augen hat das menschenähnliche Helferlein Nao Japans Bildungssystem erobert. Das Männchen aus weißem Kunststoff spricht 25 Sprachen und arbeitet auch als Assistent an der Universität Tokio, wo es in Vorlesungen Experimente ausführt. Außerdem wird Nao in Laboren als automatisches Versuchskaninchen eingesetzt.

Lernroboter als logischer Entwicklungsschritt

Weil sie nett und niedlich sind, sehen Schülerinnen und Schüler die Roboter als ihre Freunde an. Sie erteilen weder Befehle, noch rügen sie die Schülerinnen und Schüler. Die klassische Hierarchie zwischen Lehrenden und Lernenden wird aufgebrochen, mit dem Roboter als Mittelsmann. Roboter, das lernen Kinder schon früh, könne man lieben wie Haustiere. Niemand findet sie unheimlich. Lernroboter erscheinen daher nicht als Revolution, sondern als logischer Entwicklungsschritt.

Auf einer Konferenz für Bildungstechniken berichtet eine Grundschullehrerin: „Die Kinder finden meinen Unterricht spannender, wenn ich einen Roboter an meiner Seite habe. Sie freuen sich jetzt auf die Schule.“ Derzeit entwickeln die Ingenieure aus Osaka ein Programm, das auf Vokabellernen spezialisiert ist und im Haushalt verwendet werden soll. Mit entsprechenden Zusatzapplikationen können Vokabeln abgefragt werden, es werden 4.500 japanische Wörter erkannt und jeweils weitere 4.500 von drei Fremdsprachen.

Auch Risa Shiromoto, deren siebenjähriger Sohn schon Turnunterricht mit Nao hatte, sieht die Roboter im Unterricht positiv. „Mein Sohn kam begeistert nach Hause und erklärte mir, wie er den Purzelbaum des Roboters nachgemacht hat. Sonst erzählt er nie von der Schule.“ Sollte ein Roboter den Unterricht aber deshalb allein schmeißen? „Mit anderen Eltern haben wir viel darüber gesprochen“, sagt Shiromoto, und man sei sich einig: „Die Menschlichkeit des Lehrers wollen wir im Klassenraum schon behalten. Auch davon lernen die Kinder ja.“ Zumindest bisher plant niemand in Japan, menschliche Lehrer völlig zu ersetzen. Einen Lernroboter für zu Hause aber, den will Risa Shiromoto bald für ihren Sohn anschaffen.

In Japan vermutet man, dass Roboter bald so normal sein werden wie Autos. Firmen wie Hitachi, Panasonic, Honda und Toyota entwickeln mittlerweile ebenfalls androide Assistenten.

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