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Kolumnen

Auf Nimmer-Wiedersehen ihr Nachtmonster

 

Nichts hat mich als Mutter darauf vorbereitet, dass das Thema Schlaf so viele Jahre mein treuer, folgenschwerer Begleiter sein wird. Klar, mit Baby stellt man sich darauf ein. Man weiß um die Phasen und den Hunger, man riecht die volle Windel. Aber im Hinterkopf gibt es auch immer die Stimme, die sagt „ist ja nur so lange der Zwerg so klein ist. Alles wird besser.“ Und in der Tat wird es besser. (Besser ist aber auch nicht wirklich gut. )

Das Nacht-Stillen fällt weg und irgendwann endet der Tag für das Menschenkind nach dem Abendessen. Aber nur, weil der Abend da ist und man selbst bereits die Augenlider mit Klebeband oben befestigen möchte, um den wachen Anschein zu wahren, heißt das noch nicht, dass der liebe Schlaf und Ruhe Einzug hält. Dabei hätte man doch beides so gerne. Ruhe, die sich wie eine wollene, weiche Decke über die Lebhaftigkeit des Tages legt, die alle Ärgernisse und misslungenen Tagesaufgaben zudeckt und mir die Hoffnung zurück gibt, dass morgen bestimmt alles besser wird. Schlafen. Einfach hinlegen. Augen zu. Ende. Wunderbar (in der Theorie).

Doch der liebe Mann, die Kinder (und selbst der Hund) haben andere Pläne. Da gibt es keine Schlaftabelle, die sich an den Lebensjahren und an Studien orientiert – stattdessen Überraschung. Der Hund demoliert die Garderobe in einem Anflug von nächtlicher Spielwut, der Herzallerliebste schlägt mit Armen und Beinen um sich oder verwandelt sich in einen Ussurischen Kragenbären. Und die Kids? Da gibt es nicht schlafen wollen und nicht schlafen können. Es gibt den Durst, der immer mal nach einem Glas Wasser rufen lässt. Auch das dringende Bedürfnis nach einer erneuten Badbenutzung darf nicht vergessen werden (selbstverständlich in Manier eines sieben Tonnen schweren Rüsseltieres, damit auch ganz bestimmt das Schwesterntier wach wird). Oder die bösen Nachtphänomene in Form von Nachtschreck und Alpträumen sind zu Gast. Da hat man gedacht, es endlich geschafft zu haben. Das Tagwerk ist beendet und man kann sich fallen lassen und dann weint, wimmert oder schreit es erschütternd hinter der Kinderzimmertür. Die Angst ist echt. Also hinsetzen, in den Arm nehmen, beruhigen, ernst nehmen – so die Empfehlung von Prof. Michael Schredl, Leiter des Schlaflabors am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Erst mit etwa fünf Jahren können Mädchen und Jungen zwischen Traum und Realität unterscheiden. Bis dahin ist es wichtig, unter dem Bett gemeinsam mit dem Kind nach Monstern zu suchen und zu überprüfen, dass kein Geist, Räuber oder Dinosaurier unter dem Schreibtisch sitzt. „Es sind die sensiblen und dünnhäutigen Kinder, die eher eine Neigung zu Alpträumen haben„, sagt Schredl.

Dann haben wir also alle sehr sensible Kinder, denke ich. Kann schon sein. Vielleicht ist es aber auch einfach zu viel. Da war der pöbelnde Mann in der Straßenbahn, der dem anderen „eins auf die Fresse hauen wollte“, wir gingen an einer traurigen, bettelnden Frau vorbei zum Bäcker, und in unserer Straße stand ein Krankenwagen mit offenen Türen, so dass die Kinder einen Blick auf den Mann, der liegend mit Schläuchen versehen war, erhaschten. Wir reden darüber, aber der Kopf ist voll – voller Eindrücke und Angst, die dann raus will und muss. Denn wo sollten sie auch sonst damit hin? Mein Mamaschlaf hin oder her.

Aber mit zehn Jahren soll alles besser werden. Dann haben sie wohl gelernt, damit umzugehen und die Gefühle zeigen sich anders. Juchhu, denke ich. Dann gibt’s ja zwei Jahre Ruhe bis zum pubertären Frontalangriff….. (aber auch nur, wenn ich Glück habe)

Ein Hoch auf alle immer müden Eltern!

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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