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Auf der Suche nach den guten Gefühlen

Die besten und schönsten Dinge der Welt können wir nicht sehen, ja nicht einmal berühren.
Wir müssen sie mit dem Herzen fühlen. Helen Kelle

Gefühle sind eine komplizierte Angelegenheit – auch heute noch. Dabei dachte ich immer, wenn man die Pubertät geschafft hat und sich der Kopf und das Herz wieder aufklart, wird es eindeutiger und einfacher. Ja, der Vorteil des Alters ist, dass man inzwischen viele Jahre mit sich selbst Bekanntschaft geschlossen hat und sich zu nehmen weiß. Man kennt (im großen Ganzen) seine Stärken und seine Schwächen. Aber trotzdem gibt es immer wieder Situationen, wo ich nicht so genau sagen könnte, wie ich mich gerade fühle. Da sitze ich auf dem Fahrrad, schaue in der Gegend rum, rühre Milch für den abendlichen Milchreis, stehe unter der Dusche oder räume gerade die Spülmaschine aus und fühle mich einfach nur komisch. Komisch in dem Sinne, dass etwas nicht stimmt. Irgendwas in mir ist in Aufruhr, irgendwo versteckt sich ein Schatten, bollert etwas. Vielleicht ein Gedanke, der mir noch gar nicht bewusst ist?

Nach The Secret von Frau Byrne* sind nämlich Gedanken die Ursache von allem. D.h wenn ich genau hinfühle könnte ich womöglich erkennen, womit sich meine Gedanken beschäftigen. Denn ihrer Meinung nach signalisieren Gefühle sofort, augenblicklich, ohne Verzögerung das, was man gerade denkt. Das heißt aber auch, ich soll eigentlich zuerst ein schönes Gefühl haben und dann kommen gleichzeitig die netten Gedanken. Mmmhhh – in der Theorie hört sich das nicht ganz einfach, aber möglich an.

Doch ist es in der Realität nicht meist anders herum? Zumindest bei mir funktioniert das System eher so:

Ich denke. Denke an (im groben Ablauf eines Tages):

  • ´Die Schlummertaste des Weckers, damit ich sie ja nicht aus Versehen wieder Ausschalte und Einschlafe, um dann Holter die Polter hektisch losrennen zu müssen.
  • ´Ich denke daran, die Kinder zu wecken und anzuziehen (möglichst ohne Anziehdiskussion zum halbnackten Sommerkleid bei Dauerregen und Hosenwetter)..
  • ´Ich denke an das Frühstück, damit man gut in den Tag startet und an den Weg zum Kindergarten (nachdem erst letzte Woche das Kind kniebestrumpft der Länge lang auf die harten Gehwegplatten schlug, bin ich auf eine baldige Erholung nicht sonderlich erpicht.)
  • ´Dann denke ich an Arbeit. Arbeit. Arbeit und nochmals Arbeit und zwischendurch noch an die vielen Erledigungen, die darauf warten, endlich erledigt zu werden (Im Kopf versuche ich freie Termine zu finden, um in die Reinigung zu fahren, die Anmeldung für den Sportkurs zu machen, endlich die alte Kinobank in den Wertstoffhof zu fahren, den Keller aufzuräumen, die Fotoalben der Kinder zu aktualisieren und tausend andere kleine Dinge, die eben auch Zeit brauchen.)
  • ´Danach denke ich an das Abholen der Mäuse und daran, an alle möglichen Aushangtafeln (es gibt eindeutig zu viele in unserem Kindergarten) einen Blick zu werfen.
  • ´Wenn ich dann einen Blick geworfen habe, muss ich daran denken, das Gelesene nicht zu vergessen und mir wichtige Info zu notieren (Es ist ein Trauerspiel. Alles, was ich nicht gleich aufschreibe, ist an der nächsten Straßenecke schon aus meinem Gehirn verschwunden. Wahrscheinlich ist mein Kopf wie ein Buchregal und wenn alles oben und unten vollgestopft ist, fällt der Rest wieder hinaus. Nun, ich befinde mich offensichtlich an der Resterampe. Alle Regale sind bei mir schon besetzt.)
  • ´Anschließend denke ich an das Abendbrot in Kombination mit der Frage: Hast Du überhaupt Geld mit, um noch etwas einzukaufen? Ich grübele über die Frage, was die familiären Geschmacksknospen für gut befinden würden und meine nicht vorhandenen Kochkünste hergeben, um letztlich eine spontane Entscheidung zu treffen Spontan, ganz sicher, denn die kindliche Geduld im Supermarkt ist beschränkt.
  • ´Zu Hause denke ich dann an (im Schnelldurchlauf): Taschen ausräumen, Küche aufräumen, Waschmaschine, die Termine für morgen, die Klamotten für morgen und an die Badewanne, die mich wohlig warm umfangen wird, wenn es die Kinder mit ihren Tagesform spezifischen Einschlafzeiten ermöglichen. (Meine Vorfreude darauf erwies sich leider nicht ganz so selten als Trugschluss, so dass ich es mir abgewöhnt habe, das entspannende Nass fest einzuplanen.)

Egal warum, wieso und weshalb: fest steht, ich denke zu viel. Ich sollte also nicht warten bis meine Gedanken mein Fühlen bestimmen. Ich sollte mich froh und glücklich und stark und munter und frisch fühlen. Dann kommen ebenso frische Gedanken und Ideen ganz von allein, zumindest ist das das Fazit, was Frau Bryne zieht. Fast alle Philosophien, geistige Lehren und Religionen der Welt basieren darauf, das Leben an den Gefühlen von Freude und Dankbarkeit auszurichten. Also erst Fühlen, dann Denken, dann Handeln…
Ich will es versuchen.

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

(*“The Secret – Das Geheimnis“ ist eine Dokumentation von der Australierin Rhonda Byrne über das Gesetz der Anziehung, die weltweiten Erfolg erlangte. In Deutschland wurde The Secret 2007 als Film und Buch veröffentlicht.)

The Secret – Das Geheimnis

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