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Au pair – ja oder nein und wenn ja, wie?

In Zeiten der totalen Erschöpfung, der Termine und der raren Kitaplätze ein Gedanke, der immer mal wieder kommt. Deshalb gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich klarzumachen, was das bedeudet…

Mamamia ist eingetaucht in die Materie …


Warum eigentlich ein AuPair? Als wir uns dafür entschieden, uns von einem AuPair im Alltag mit den unterstützen zu lassen, hatten wir einen langen Winter mit vielen Krankheiten hinter uns. Ich war gerade wieder richtig im Job angekommen, aber ständig war ein Kind krank und ich musste aus Meetings verschwinden, Termine absagen und ganze Projekte absagen.

Wir versuchten, die Kinderbetreuung neu zwischen dem Mann und mir aufzuteilen, aber was wir auch versuchten, es war nicht wirklich praktikabel.

Ein Kindermädchen? Das hilft uns auch nicht, wenn kurzfristig ein Kind krank wird. Ein Babysitter? Ist nur etwas für freie Wochenenden.

Eine Leihoma? Deckt ja auch keine spontanen Ausfälle ab.

Alle denkbaren Optionen schienen uns unpassend. Wir brauchen jemanden, der immer da ist, weil er bei uns wohnt. Jemand, mit dem die Kinder so vertraut sind, dass wir sie immer gut aufgehoben wissen, auch wenn sie mal krank sind. Jemand, der nicht zu festen Arbeitszeiten kommt, so dass ich zu diesen Terminen gar nicht selber mit den Kindern spielen kann. Da blieb nur noch ein Au Pair.

 

Wie findet man ein Aupair?

Wir suchen ein Au Pair. „Wie lange dauert denn das?“ hat mich meine Mutter gefragt, als ich ihr unsere Entscheidung mitteilte.

„Och,“ habe ich geantwortet, „das kann ganz schnell gehen!“

Schließlich gibt es einen riesigen Markt, wie ich schon am ersten Tag der Suche feststellte. Da gibt es Plattformen wie AuPairworld.com oder AuPair.com. Für amerikanische Au Pairs ist auch GreatAuPair.com eine gute Plattform und das sind nur die ersten drei, bei denen ich uns anmeldete. Dazu gibt es noch jede Menge Agenturen. Die Auswahl ist also groß.

Wir haben uns zusätzlich zu den genannten Plattformen bei einer Agentur angemeldet. Nach dem bißchen Erfahrung, was wir nun haben, würde ich sagen, dass Agenturen und Plattformen beide ihre Vor- und Nachteile haben.

Bei einer Plattform ist man schnell angemeldet und hat sofort Zugriff auf alle Bewerberinnen, die sich dort tummeln. Man kann seine Suchkriterien, wie z.B. die gewünschten Herkunftsländer, dass es ein Nichtraucher sein soll, mit Führerschein etc eingeben und bekommt rucki zucki die passenden Damen angeboten. In der Regel kann man diese dann mit einer Standardnachricht per Mausklick darüber informieren, dass man interessiert ist. Das Au Pair kann dann ebenfalls Interesse bekunden- und das war´s erstmal. Damit man sich individuelle Nachrichten senden kann, muss eine der Parteien (in der Regel die Au Pair Familie) eine Premium Mitgliedschaft abschließen, Diese Premium Mitgliedschaft kostet auf den meisten Plattformen ca. 40 Euro im Monat.

Der große Vorteil dieser Plattformen ist, dass keine Agenturchefin die Bewerbung noch mehrfach nachgebessert hat, bevor sie an die Gastfamilie gehen konnte. Man bekommt daher einen sehr authentischen ersten Eindruck. Ich habe Bilder von Menschen gesehen, die sich um meine Kinder kümmern möchten und denken, man könne dazu nicht genügend Busen zeigen. Eine Kandidatin zeigte sich im Brautkleid, eine andere mit Kampfhund im Arm. Dazu kommen Sätze im Anschreiben wie: „Ich werde immer gut zu ihren Kindern sein, aber ich lass ihnen nicht alles durchgehen, zum Beispiel, dass sie grundlos weinen.“

Bei einer Agentur wird man mit so einem Anschreiben erstmal wieder an den Schreibtisch verwiesen. Das kann man schließlich so nicht schreiben! Und vernünftige Fotos braucht die Agentur natürlich auch. Das ist gut, weil man als Gastfamilie von der Agentur wirklich ordentliche Bewerbungen bekommt, aber der Nachteil ist, dass viel Aufschlussreiches über das Au Pair dann schon rausgefiltert ist. Die Agentur möchte andererseits auch eine Charakterreferenz haben und eine Art Gesundheitszeugnis. Wer über eine Agentur kommt, hat sich also nicht bloß spontan an den Rechner gesetzt, um sich ein Profil einzurichten und mal zu schauen, wo man eventuell den Sommer nach dem Schulabschluss verbringen könnte. Diejenigen, die über die Agentur kommen, die wollen es in der Regel wirklich und hören nicht einfach nach der zweiten Mail auf, zurückzuschreiben oder antworten: „Sorry, aber ich möchte doch lieber nach Australien!“

Wir sind also zweigleisig gefahren. Ich musste meiner Mutter trotzdem sehr schnell mitteilen, dass ich mich geirrt hatte. Die Suche nach einem geeigneten Au Pair ist so einfach auch wieder nicht.

 

Ein AuPair finden- so haben wir es gemacht

Wir haben am Ende mit beiden Möglichkeiten ein Erfolgserlebnis gehabt. Über die Plattform fanden wir schnell ein Mädchen aus Spanien. Unser Bauchgefühl hat uns mit ihr zusammengebracht. Eine Frage haben wir leider erst viel zu spät gestellt: Wie lange kann sie bleiben? Die Antwort war ernüchternd: Sie will nur als „Sommer AuPAir“ kommen und leider nur 5 Wochen bleiben. Wir sagten ihr, wir müssten darüber nachdenken, aber kaum hatten wir das Telefonat beendet, sahen der Mann und ich uns an und sagten: Lass es uns versuchen. Ein erstes AuPair hatten wir also, aber wir mussten sofort nach einer Anschlußlösung suchen.

Dieses Mal wurden wir über die Agentur fündig. Eigentlich waren wir nicht sehr begeistert von den Vorschlägen, die uns die Agentur gemacht hat. 5 Mädchen wurden uns im ersten Schwung vorgeschlagen, mich hat keine Bewerbung angesprochen. Weil ich aber so verzweifelt war, habe ich ihnen eine Chance gegeben. Hätte ich das nicht getan, hätten wir „unser“ Au Pair nicht gefunden. Daher hier meine Learnings der Aupair Suche:

1. Hauptkriterium im ersten Schritt: Erfahrung mit Kindern

Ich bin ein visueller Mensch. Die Fotos der AuPairs aus der Agentur fand ich alle nicht schön. Bei einer Partnervermittlung hätte ich sie alle weggeklickt. Aber es gab ja nur 5 Bewerberinnen, also setzte ich mich mit ihren Bewerbungen auseinander. Manche hatten tatsächlich kaum Erfahrung im Umgang mit Kindern, andere arbeiteten schon seit Jahren mit Kindern und hatten schon immer gebabysittet. Da ich es schon mit viel Erfahrung für eine Herausforderung halte, meine Kinder zu beaufsichtigen, strich ich die Bewerberinnen ohne Berufserfahrung von der Liste.

2. Fotos sind nur Fotos

Ich hatte mir ein hübsches, süßes Mädchen vorgestellt, aber die Bewerberinnen waren alle nicht schön und meine Favoritin lächelte auf keinem der Fotos- ebenso wie ihre Familie. Ob die zu uns passt? Wir lachen hier viel und gerne, die läuft doch weinend weg, wenn sie zu uns kommt! Aber irgendetwas an diesem einen ernst schauenden Mädchen war mir doch sympathisch, je länger ich mich mit ihrer Bewerbung beschäftigte. Also vereinbarte ich einen ersten Termin zu einem Skype Telefonat. Ich erwartete nicht viel von dem Gespräch. Und dann kam sie: Das Bild erschien und eine fröhliche junge Frau lachte in die Kamera und fing sofort an zu plaudern. Was für einen falschen Eindruck hatten mir die Fotos gegeben!

3. Der erste Eindruck ist wichtig

Ich höre gern auf mein Bauchgefühl. Als wir mit unserem AuPair skypten, war ich sofort von ihr angetan. Mit anderen AuPairs hingegen fand ich noch nichteinmal einen Anknüpfungspunkt für ein Smalltalk Gespräch. „I´m exhausted“, sagte eine zu mir am Telefon und ich will lieber nicht wissen, wie exhausted sie nach einem halben Tag mit meinen Söhnen wäre. Als die Kinder ins Bild liefen, verzog sie keine Miene. Unser zukünftiges AuPair hingegen rief sofort: „Oh, wie süß, ist das der Mini?“

4. Viele Fragen stellen

Wir haben uns für ein AuPair entschieden, aber bis sie hier ankommt, ist sie eine fremde für mich. Ich habe von ihr nicht viel, außer einer Bewerbung, ein paar Mails, ein paar Fotos und ein paar Gespräche, die wir über Skype geführt haben. Man lässt sich auf jeden Fall auf ein Abenteuer ein. Jede Frage, die man stellt, bringt einen ein Stück näher an den Menschen hinter der Bewerbung. Wir haben uns vor den Telefonaten hingesetzt und uns überlegt, was uns wichtig ist und dann abgeklärt, ob das AuPair Mädchen ähnliche Vorstellungen hat und unsere Anforderungen erfüllen könnte. Einen schönen Fragenkatalog gibt es hier bei MeWorkingMom.

5. Stellt das Au Pair viele Fragen?

Wenn das AuPair nur Fragen nach der Bezahlung stellt, ist das vermutlich kein gutes Zeichen. Das Mädchen will ein Jahr bei uns wohnen, es hat also ein Interesse daran, zu erfahren, wo es landet. Wenn es aber gar nichts über die Kinder und die sonstigen Aufgaben wissen möchte, würde ich mal behaupten, dass hinter der Bewerbung als AuPair nicht viel Herzblut steckt. Das Mädchen, für das wir uns entschieden haben, hat sich sehr genau informiert und hatte viele, viele Fragen. Das hat wiederum zu Gegenfragen von uns geführt und so dauerten unsere Telefonate immer sehr lange und wir konnten uns ein bißchen kennenlernen. Mir gab ihr Interesse ein gutes Gefühl.

6. Mehrfach miteinander skypen

Zu uns kommt ein Mädchen aus der Ukraine. Sie sitzt sehr weit weg von uns an einem Rechner und wir haben erstmal nur einen kleinen Eindruck von ihr. Je öfter man sich in Bewegtbildern sieht, umso echter kann der Eindruck werden. Man zeigt sich ja in einem Vorstellungsgespräch von der allerbesten Seite und kann sich sicher ein bißchen verstellen, aber man kann das nicht lange. Ich hatte mit unserm AuPair ein paar Situationen, in denen die Antworten auf die Fragen sehr auswendig gelernt schienen, aber hier und da hat sie auch sehr spontan geantwortet. Das geht aber nur, wenn man in Echtzeit miteinander spricht und nicht in einer Mail jedes Wort 3x umdreht. Als ich sie fragte, ob sie streng mit Kindern sei, platze ein Lachen aus ihr heraus und sie sagte aus tiefstem Herzen Nein. Ich merkte, dass sie sich danach am liebsten auf die Zunge gebissen hätte, weil sie nicht wußte, ob das die Antwort war, die ich hören wollte. So bekommt man den echtesten Eindruck!

7. Vergleichen

Wenn man mit einem Mädchen telefoniert denkt man vielleicht: „Könnte passen.“ Wenn man mit drei Mädchen telefoniert, merkt man, wer besser passt.

 

Was kostet eigentlich ein Aupair

Was kostet eigentlich so ein AuPair? Wenn man das googlet, liest man schnell, dass AuPairs ein Taschengeld von 260 Euro bekommen. Ich hatte eigentlich mit viel mehr gerechnet und dachte erstmal: „Och, das geht ja, das kann man sich ja leisten!“

Nach ein paar weiteren Klicks sieht man dann aber, dass zusätzlich einige Kosten oben drauf kommen. Und wenn das Aupair dann mit einem lebt, stellt man fest, wie viel Geld es tatsächlich ist. Bislang habe ich immer nur die monatlichen Fixkosten im Kopf gehabt. Heutee habe ich auch mal die Einmalkosten mit einbezogen und auf 12 Monate verteilt. Bei dem dann entstehenden Betrag bin ich ehrlich gesagt erschrocken.

Eine Übersicht mit der Kostenaufstellung gibt es hier


Zuerst veröffentlicht auf http://mamablog-mamamia.com

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