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Arme Eltern. Die Politik nennt Eltern „geforderte Generation“ Ja, und nun?

Schön, dass die Politik erkennt – in dem Fall das Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend im Januar diesen Jahres, dass es alles andere als einfach ist. Eltern von heute haben mit betrieblichen, organisatorischen und finanziellen Hürden zu kämpfen, trotzdem geht das Bundesministerium eher davon aus, dass…

„In den letzten Jahren haben sich die gesellschaftlichen Leitbilder von Müttern und Vätern, ihre Einstellungen, Wünsche und Prioritäten sowie die Lebenswirklichkeiten von Familien gewandelt haben – und damit auch die Herausforderungen für Eltern, das Berufs- und Familienleben gleichzeitig stemmen.“

Ganz offensichtlich haben die Rahmenbedingungen mit der gesellschaftlichen Entwicklung nicht ganz Schritt gehalten und Studien belegen folgendes:

Die heutigen Eltern….
  • bestehen aus 12, 9 Millionen Müttern und Vätern zwischen 30 und 55 Jahren, die minderjährige Kinder haben.
  • Sind sehr gut ausgebildet. Etwa jeder Vierte hat einen (Fach-)Hochschulabschluss oder eine Promotion, knapp zwei Drittel einen mittleren oder hohen beruflichen Abschluss. Damit hat die Geforderte Generation eine zentrale Bedeutung für die Fachkräftesicherung.
  • Sind die Mitte unserer Gesellschaft: Sie erzieht die Kinder, stellt den Kern der Erwerbstätigen und wird später gefordert sein, sich um die Pflege ihrer Angehörigen zu kümmern.
  • haben mehr als alle anderen das Gefühl, dass es ihr an Zeit mangelt. Die Zeitbudgets von Müttern und Vätern sind ungleich verteilt; ihre Arbeitszeitwünsche entsprechen nicht ihren tatsächlichen Arbeitszeiten.
  • wünschen sich – gerade auch mit kleinen Kindern – vielfach eine partnerschaftliche Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit und bessere Vereinbarkeitsbedingungen.

Weiterhin wird festgestellt, dass sich sowohl Väter als auch Mütter einbringen wollen. Aber das ist doch kein Geheimnis? Niemand ist von gestern zu heute aufgewacht und hat plötzlich gedacht: Ach wie schön wäre ein wenig mehr gemeinsame Zeit… Vielmehr scheint das Thema Familienpolitik in den vergangenen Jahrzehnten im Dornrösschenschloß ein wenig geschlafen zu haben.

Denn:
79 Prozent der Väter wünschen sich mehr Zeit für die Familie. Dabei sagen zwei von drei Vätern, dass sie sich mehr an der Erziehung und Betreuung der Kinder beteiligen als die Väter ihrer Elterngeneration. Mehr als die Hälfte der Väter mit jüngstem Kind unter sechs Jahren möchte sogar mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen. Zudem arbeiten viele Mütter in Teilzeit, aber vor allem Mütter mit geringen Wochenarbeitszeiten wünschen sich häufig eine Ausweitung ihres Erwerbsumfangs (48%)
Und auch ein Viertel aller alleinerziehenden Mütter würde ihre Erwerbstätigkeit gerne ausweiten.

Leider Keine Rahmenbedingungen für Gleichberechtigung

Trotzdem leben viele Eltern nach der Geburt des Kindes eine eher traditionelle Aufteilung. Das ist nicht gewünscht, aber die Rahmenbedingungen geben oft ein gleichberechtigtes Arbeiten und Kümmern um den Nachwuchs nicht her.
Während bei 71 Prozent der Paaren, deren jüngstes Kind unter sechs Jahre alt ist, vor der Geburt des ersten Kindes beide Partner in Vollzeit, das heißt mehr als 35 Stunden, erwerbstätig waren, sind es nach der ersten Elternzeit nur noch 15 Prozent. Tatsächlichen klaffen die Wochenarbeitszeiten bei Männern und Frauen weit auseinander: Väter haben eine tatsächliche Wochenarbeitszeit von durchschnittlich 45 Stunden, Mütter von 27 Stunden.
Nicht zu vergessen ist darüber hinaus der gesellschaftliche Druck. 45% der Frauen und Männer zwischen 20 und 39 Jahren glauben, dass die Allgemeinheit von ihnen erwartet, dass Eltern ihre Bedürfnisse für ihre Kinder komplett zurückstellen. Dazu kommen die zeitlichen und finanziellen Belastungen.

So machen sich mehr als die Hälfte aller Personen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1500 Euro große Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation….

Ja und nun? Wenn das jetzt schon alles festgestellt wurde, wenn auch verdammt spät, was passiert jetzt? Eine to-do-Liste wäre angebracht!


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