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Kolumnen

Es ist vorbei – das alte und das neue Fest der Liebe

Es ist vorbei – das alte und das neue Fest der Liebe

 

Die Weihnachtsstimmung ist verflogen. Der Tannenbaum steht leicht angegraut und nadelnd im Eck des Wohnzimmers und die Plätzchendose, die bis zum Fest unter Verschluss gehalten werden musste, um wenigstens einigen Köstlichkeiten das Überleben zu sichern, steht noch halb voll in der Küche. Leider kann ich sie nicht mehr sehen. Noch etwas mehr Schokolade, Stollen, Kekse, Ente oder Lamm und ich platze schon allein beim Geruch  – ähnlich der dicken Angelika im Struwwelpeter. Puff, und ich bin weg. (Mein Hosenknopf sprang bereits am achtundzwanzigsten bei der großmütterlichen Geschenke-Übergabe mit einem leicht klirrenden Geräusch über den Fliesenboden. Peinlich.) Dabei hatte ich mich so auf das leckere Essen, das Licht der Kerzen, den Duft der Räuchermännchen und auf das Glänzen in den Augen der Kinder gefreut. (Letzteres war auch wirklich phänomenal. Eine Vorfreude, die man einfach erleben muss.)

Aber irgendwann war es auch genug. Einfach genug zu Hause, genug der Mahlzeiten, genug Besuch und genug Trubel. Nie hätte ich gedacht, dass diese freien Tage so aufreibend und ermüdend sein könnten. Ganz zu schweigen von den kleinen Menschenkindern, die derart aufgedreht unmöglich über eine Woche am Stück durchhalten.

(Zu meiner Verteidigung ist lediglich zu sagen, dass wir die letzten Jahre das Fest der Feste weit weg im Urlaub verbracht haben. Da gab es also nur uns, die Kinder und das Nichts der Landschaft um uns. Wir haben Weihnachtsmärchen geschaut, Kekse gebacken, haben uns am Meer die Nase abgefroren und bereits zur Kaffeezeit den Mors(o/)n  angemacht. Eine kleine familiäre Insel fernab von Großeltern, Tanten, Onkeln und Freunden. Damals erschien es uns etwas einsam. Bekanntermaßen will man ja immer das haben, was man gerade nicht hat, weshalb wir den Plan schmiedeten, das nächste Weihnachten zu Hause zu feiern. Und so war es dann… )

Rückblickend musste natürlich alles so kommen, wie es gekommen ist. Hinterher ist man ja immer schlauer. Vor der Weihnachtswoche gab es eine große Kita-Feier, es gab einen Weihnachtsmann, wir besuchten den Weihnachtsmarkt, und das Puppentheater erzählten uns die Geschichte vom großen nicht endenden Juckreiz. Ähnlich verhielt es sich auch bei uns. Nur, dass es nicht der Juckreiz war, der nicht verschwinden wollte. Wir steigerten uns vielleicht ein wenig hinein. Wir alle miteinander, mit dem Gefühl, dass es doch besonders schön sein sollte – mit einem schneeweißen, reinen zu Hause beispielsweise. Oder mit und auf der Suche nach dem perfekten Menü, eine Folge von Köstlichkeiten über Tage hinweg. Oder die stetig wachsende Aufregung des Kindes, die bereits kurz vor sieben einen  kleinen vierjährigen Duracellhasen hervorbrachte, für den wir leider den Ausschalter verlegt hatten. Er trommelte und trommelte, schlief vor Erschöpfung am fünfundzwanzigsten kurz ein und startete am sechsundzwanzigsten erneut, als der Weihnachtsbesuch unser Haus stürmte. Dann ein paar Besuchsnachwehen und neuer Besuch. Erneutes Trommeln, Freuen, Lachen, Spannung, Spiel und Schokolade. Der Duracellhase stieg auf einen Baum und war kaum zu bewegen, wieder auf den Boden der Tatsachen, der Ruhe, des Schlafens und der geregelten Mahlzeiten zurück zu kehren. Tja, der Duracellhase wäre wahrscheinlich lieber vom Baum gefallen als freiwillig ins kuschelige Bettchen zu gehen und eine Pause einzulegen, was wiederum  die elterliche Überzeugungskraft auf eine harte Probe stellte…

Ich musste in einer kleinen Verschnaufpause auf der Couch an meine wilde Ausgehzeit denken. Da, wo man sein Tal der Müdigkeit längst durchschritten hatte und nur noch überdreht, kichernd und glucksend um die Häuser zog bis einem die Augen bereits im Stehen zu fielen. Erinnert Ihr Euch?

Als ich den Herren meines Herzens danach befragte, erhielt ich keine direkte Antwort, lediglich ein Augenrollen und die Frage: Sag mal, wollen wir nächstes Jahr nicht wieder in Urlaub fahren? Fantastisch, dachte ich. Großartige Idee.

Und so nutzten wir die ruhigen Abendstunden und starteten 2017 mit der geöffneten Suchmaske, die uns nach Land, Unterkunftsart und Ausstattung befragte….

Ja, nicht immer kann man die guten Vorsätze (für ein paar ruhige Tage) in die Tat umsetzen. Nobody is perfect. Aber möglicherweise kann man manches im neuen Jahr anders machen. Zumindest ein Versuch ist es wert.

Nehmen Sie sich nicht zu viel vor, aber ein wenig Mut zur Veränderung hat noch nie geschadet.

In diesem Sinne, auf ein mutiges 2017!

Ihre Sabine Henriette Schwarz


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