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Puppen: eine nie endende Liebe, in der nichts unmöglich ist

Puppen: eine nie endende Liebe, in der nichts unmöglich ist

Egal ob mit Zöpfen und Schlenkerbeinen, in Kleidern, Hosen oder nackt – Puppen gehören einfach zum Kind sein. Und auch die Herausforderung, ihnen Leben einzuhauchen, sie lebendig zu machen gehört dazu. Puppen können stellvertretend für etwas stehen oder jemand anderer sein. Das gilt doch erst recht für Handpuppen. Kasper, Prinzessin oder Krokodil dürfen laut fluchen, schrecklich schimpfen, etwas kaputt machen, sie dürfen lieb und zärtlich sein und gleichzeitig können sie zaubern, fliegen oder etwas rauben. Die Möglichkeiten sind grenzenlos.

Puppen dürfen alles, was Kinder oft nicht dürfen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das gilt besonders für das Spiel auf der Bühne – entweder darf die kleine Hand selbst führen oder man macht es sich davor gemütlich…

Deshalb: Vorhang auf für das Puppentheater – ein Besuch im Sterntaler

Es gibt zwar eine richtige Ausbildung, aber oft ist es die Liebe zum Erzählen, zum Spiel, zur Inszenierung und zu den Figuren, die bewegt und nicht mehr loslässt. So wie bei Meike Kreim, die seit über 20 Jahren Puppenspielerin und Mitbegründerin des Puppentheaters Sterntaler ist.

Puppentheater Sterntaler Leipzig Dabei fing eigentlich alles ganz harmlos auf einer Wanderung mit den Kindern an, als der Weg noch weit und die Kinder müde und hungrig waren. Wie also kann man die Kleinen motivieren, damit sie sich nicht tränenüberströmt weigern, weiter zu laufen? Eine Geschichte war die Lösung – so spannend und so lang, dass man gemeinsam doch noch zum Ziel kam.

Doch die Entscheidung, ihr Hobby, ihre Begabung zum Beruf zu machen, brauchte ein wenig Zeit – denn schließlich gibt man seine feste Arbeit nicht leichtfertig auf. Dank dem Zuspruch von Freunden und der Unterstützung ihres Partners war es denn am 01.08.1995 soweit: Meike Kreim gründete ihr PAPPERLAPAPP als Puppenspiel & Erzähltheater.

Auch zwanzig Jahre später ist die Faszination für die Themen, die durch das Spiel lebendig werden, noch da. „Sie springen einen förmlich an. Oft geht einem was im Kopf rum, man beschäftigt sich damit und dann wird das der neue Stoff.“ so Meike Kreim, die in Kürze Großmutter wird und an einer neuen Geschichte arbeitet, wo, wie passend, Großeltern und ein „Krümelchen“ im Mittelpunkt stehen. Aber manchmal erfahren Stücke auch wie von Zauberhand Aktualität und könnten symbolisch kaum besser sein. So geschehen bei „Hühnerei und Entengrütze“, was 2013 auf die Bühne kam. Die Geschichte: Ein Hühnchen und ein Entchen wachsen im schönen Garten heran, sie spielen und singen vergnügt und selbstverständlich bis, eines Tages, die Mütter die gemeinsame Zeit verbieten. Hühner und Enten sind einfach zu verschieden als dass sie miteinander spielen sollten… Sind sie das? Warum?

Doch bevor Hühnchen und Entchen miteinander spielen, dem kleinen und großen Publikum zur Freude, was braucht es?

Puppentheater Sterntaler LeipzigMeike Kreim: „Normalerweise wird über ein Jahr an einem Stück gearbeitet. Ein Stück ist ein Entwicklungsprozess.“ So steht zuerst die Entscheidung für eine Figurenart. Soll es beispielsweise eine Stabfigur, eine Marionette oder eine Handfigur sein? Ist die Geschichte vielleicht auch in einem Schattenspiel zu erzählen? Die Eigenschaften der Figuren und der Rhythmus der Geschichte ist entscheidend, denn alle Puppen haben Vor- und Nachteile. Dann sind Probebühne und Probefiguren notwendig. Und zusammen mit Regisseurin und Figurenbildnerin wird getestet, was Hühnchen und Entchen brauchen. So entscheidet man gemeinsam, was und wie gespielt wird. Was ist machbar? Was muss man ändern? Was brauchen die Figuren? „Eine Kinderinszenierung ist bereits ein Kleinwagen. Bei einem Abendstück für Erwachsene ist der Aufwand noch um ein vielfaches größer.“ so Kreim.

Umso bemerkenswerter, dass das Puppentheater ohne institutionelle Förderung seit über zwanzig Jahren erfolgreich kleine und große Gäste begrüßt, die jeder für sich ihre kleine Auszeit vor der Bühne erleben dürfen. „Es geht um unterschiedliche Unterhaltungsebenen“ erzählt die Puppenspielerin. „Die Kinder sollen ihren Spaß haben, aber es gibt in den Stücken auch immer eine Ebene und Dialoge für die Eltern. Auch an die Großen muss gedacht werden. Schließlich besuchen uns ja Familien, jeder möchte unterhalten werden.“

Bei so viel Erfahrung, bei so viel Kinderlachen, Spaß und Unterhaltung – sind Puppenspieler als Eltern oder später als Großeltern nicht fantastisch für jedes Kind und Enkelkind? Können sie nicht perfekt Trost spenden, wenn die Kleinen schluchzend am Bettrand kauern oder traurig in der Ecke sitzen?

Meike Kreim ist überzeugt. „Wenn der Akku noch voll ist und es zulässt, sind Eltern von jeher sehr fantasievoll und jeder hat so seine eigenen Strategien. Die Kleinen entwickeln sich und die Großen müssen irgendwie hinterher.“

Für eine kleine Familienauszeit:

Hühnerei und Entengrütze wieder im Sterntaler am 13.4.2016.,14.4. 11 & 16 Uhr und am 16.4. 16 Uhr

Das Puppentheater Sterntaler zur Ergänzung:

…wurde am 1.4.1997 als feste Spielstätte von den freiberuflichen Puppentheatern Rosi Lampe, WiWo, Wolfgang Gerber und dem Papperlapapp gegründet. Mit Frank Schenke vom Theater Fingerhut wurde 1997 das Trio ergänzt und komplettiert, so dass seither ein Viergestirn die Geschicke des Hauses leitet.

Und noch mehr Infos, wem es jetzt selbst in den Fingern juckt…:

Voraussetzungen
Wer das Handwerk des Puppenspielers in einem staatlich geregelten Studium erlernen will, muss in der Regel die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife besitzen (ggf. sind Ausnahmen möglich) und eine Aufnahmeprüfung bestehen. Erste Erfahrungen im Bereich des Figurentheaters sind nicht zwingend, aber vorteilhaft. Grundsätzlich sollte ein Puppenspieler ein hohes Maß an Fantasie, Vorstellungsvermögen und Kreativität im Umgang mit verschiedensten Werkstoffen mitbringen. Ferner sind Idealismus und Bescheidenheit vonnöten, denn die Zahl der Arbeitsplätze ist klein und die Verdienstmöglichkeiten eher gering.

Ausbildung
In Berlin und Stuttgart gibt es eine staatlich geregelte Ausbildung zum Puppenspieler, die jeweils auf 3-4 Jahre angelegt ist. Beide Hochschulen besitzen eine eng begrenzte Kapazität an Studienplätzen, die nach einer individuellen Aufnahmeprüfung vergeben werden. Die Inhalte des Studiums umfassen Bereiche wie Atem- und Stimmbildung, Körpertraining, Materialkunde, Bühnenbild, Dramaturgie, Bildnerisches Gestalten, Theorie u. a. Das Studium endet mit einer Diplomprüfung. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Fort- und Weiterbildungsangeboten. Eine entsprechende Übersicht gibt es unter www.figurentheater.de. In der Informationsbroschüre des Deutschen Puppentheater e.V. finden sich zahlreiche einschlägige Adressen (Figurentheater und Spielstätten, Anbieter von Lehrgängen und Praktikantenstellen, Verbände und Vereinigungen, Fachzeitschriften, Sammlungen und Museen u.s.w.)

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