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ADHS – zu leichtfertige Diagnosen …?

ADHS – zu leichtfertige Diagnosen

Die Diagnose für das Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung ADHS wird in Deutschland immer häufiger gestellt. Doch muss dabei beachtet werden, dass Unaufmerksamkeit keineswegs ein Symptom für ADHS ist.

Die Diagnose für diese Krankheit ist nicht einfach zu stellen, da bei jedem Betroffenen unterschiedliche Symptome mit differierenden Ausprägungen auftreten.

Wie also kann man diese Krankheit genau definieren?

Die drei Kernsymptome der neubiologisch bedingten Erkrankung sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Diese Anzeichen bestehen dauerhaft, von Kindheit an und können zu erheblichen Beeinträchtigungen, wie einer schlechten sozialen Integration und Unaufmerksamkeit, führen. Besonders in der Schule haben viele Kinder Probleme, sich im Unterricht zu konzentrieren oder auf dem Schulhof nicht aggressiv aufzufallen. In etwa der Hälfte der Krankheitsfälle muss die Krankheit medikamentös behandelt werden.

Es braucht therapeutische Kompetenz ADHS richtig zu diagnostizieren und viel Aufwand, um die Symptome zu mildern. Nichtsdestotrotz wird die Diagnose für das Aufmerksamkeitsdefizit und die Hyperaktivitätsstörung in Deutschland viel zu häufig gestellt. Neben der steigenden Diagnose, vor allem bei Jungen, zwischen 1989 und 2001 um 381 Prozent, haben sich in der Zeit von 1993 bis 2003 Methylphenidat-Verschreibungen verneunfacht. Anzumerken ist, dass Methylphenidat, auch Ritalin genannt, bei Kindern ab einem Alter von 6 Jahren zu verschreiben ist, vorausgesetzt andere therapeutische Maßnahmen werden als unzureichend angesehen, wenn eine vollständige und abgeschlossene (!!!) Anamnese auf ADHS schließen lässt.

Doch wie ist die steigende Entwicklung der ADHS- Rate in Deutschland zu erklären?

Interessant ist hier die Arbeit aus dem Jahr 2010 von dem Gesundheitsökonom Todd Elder von der Michigan State University im Journal of Health Economics. Die Studie schloss 19.000 Kinder aus 1000 Einrichtungen ein.

Es wird verglichen zwischen Kindern, die vor dem Stichtag der Vorschulaufnahme geboren wurden und Kindern, die nach dem Stichtag zur Aufnahme Geburtstag hatten und somit erst ein Jahr später eingeschult wurden. Erstaunlicherweise ergab sich, dass die ältere Gruppe mit 8,4 Prozent ADHS diagnostiziert wurde. Bei den jüngeren Kindern, die ein Jahr später und somit zur Schulaufnahme ein Jahr älter als ihre Mitstreiter waren, betrug die ADHS-Rate nur 5,1 Prozent. Eine reine entwicklungsbedingte Unreife der jüngeren Kinder in der Vorschule wurde hier mit ADHS abgestempelt.

Nicht zu vergessen ist, dass ein ausgeprägter Bewegungsdrang sowie Impulsivität bei Kindern durchaus normal sind. Da kann das stundenlange Sitzen auf Schulbänken das ein oder andere Kind schon unruhig werden lassen. Viele Ärzte stellen eine falsche Diagnose und verschreiben rasch Medikamente, da sie unter dem Druck genervter Eltern stehen. So handeln Therapeuten intuitiv nach der Fallbeschreibung der Eltern und sehen davon ab, sich nach einem strikten Katalog zu richten. Vielmehr sollten ausführliche Gespräche mit Eltern, Kind und Lehrern stattfinden, die Konzentrationsfähigkeit durch computergestützte Test gemessen und Schulleistungen in Betracht gezogen werden.

Weiterführend Infos/Links:
Studie von Todd Elder von der Michigan State University 
ADHS- Film „Kopfüber“


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