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4 Kinder? Eine Mutter erzählt

„Nein, es ist nicht anstrengend mit vier Kindern!“. Das hätte ich heute am liebsten mehrmals laut herausgeschrien. Wie es dazu kam? Lest selbst…

Ein wundervoller Tag

Heute war ein wundervoller, sonniger, frühlingshaft warmer Tag. Die vier Zaubertöchter und ich machten einen langen Spaziergang. Die kleinste Babytochter schlief in oder schaute aus der Trage heraus und die drei älteren Zaubertöchter liefen fröhlich vor mir her. Es ging uns gut, wir fühlten uns wohl und hatten Freude. Wir liefen einen langen Waldweg entlang, besuchten den Bach, sahen Enten und Schafe, Schmetterlinge und Bienen, trafen mehrere Hunde, andere fröhliche Kinder und viele ältere Spaziergänger. Alles war gut. Alles? Fast…

Vier Kinder fallen auf

Wenn ich mit meinen vier Töchtern unterwegs bin, falle ich auf. Die Menschen bleiben stehen und/oder schauen uns an. Ich sehe ihre staunenden Blicke. Ich kann sie innerlich nachzählen hören – eins, zwei, drei, vier. Manche lächeln uns an, andere schauen ungläubig und einige sprechen uns an. Letzteres ist uns heute dreimal passiert.

Oh, das ist sicher anstrengend mit vier Kindern!

Zuerst trafen wir eine ältere Dame auf dem Waldweg. Staunende blieb sie stehen, blickte nacheinander meine vier Kinder und schließlich mich an: „Oh, das ist sicher anstrengend mit vier Kindern!“ Im ersten Moment wusste ich nicht, was ich antworten sollte. Ich schaute vermutlich irritiert. Es war alles so schön und wunderbar heute. So ein fröhlicher, unbeschwerter Frühlingstag. Eigentlich müssten doch alle gute Laune haben und positiv gestimmt sein. Schließlich lächelte ich und antwortete: „Nein, es ist wunderschön.“ Nun schaute die Dame irritiert. Wir gingen weiter.

Da wissen Sie aber abends, was sie getan haben!

Am Bach trafen wir eine Frau, die gerade die Pflanzen vor ihrem Haus goss. Die Zaubertöchter blieben stehen und schauten ihr zu. Der Blick der Frau schweifte über meine vier Töchter, ich konnte sie innerlich nachzählen hören. „Da wissen Sie aber abends, was sie getan haben.“ Ääääh… Wieso fällt mir nie so schnell eine passende Antwort ein? Ich habe glaube ich nur gelächelt und genickt (wieso nur?), da die kleine Zaubertochter mich schon weiter zur Ente zog.

Ausgefragt

Die dritte Frau trafen wir auf dem Rückweg. Auch sie blickte staunend auf meine Kinderschar und fragte mich regelrecht aus: „Haben Sie vier Kinder?“, „Sind das alles Mädchen?“, „Wie viel Abstand ist denn zwischen den Kindern?“ Ich beantwortete alles freundlich, obwohl ich diese (unfreundliche) Ausfragerei schon als dreist empfand. Schließlich sprach sie: „Das muss ja sehr anstrengend sein!“ NEIN, NEIN, NEIN! Jetzt hätte ich am liebsten herausgeschrien: „Nein, es ist nicht anstrengend mit vier Kindern!“ Aber ich blieb weiter freundlich und antwortete etwas wie: „Ja, manchmal ist es anstrengend. Aber meistens ist es wunderschön.“

Anstrengende Phasen

Natürlich gibt es sie. Anstrengende Phasen. Anstrengende Minuten, anstrengende Stunden, gar ganze anstrengende Tage. Tage, in denen ich in den vorangegangenen Nächten wenig Schlaf bekam. Tage, an denen ich müde bin, mir Kraft und Energie fehlen, ich Kopfschmerzen habe oder einfach mal schlecht gelaunt bin. Tage, an denen die Kinder vielleicht ebenfalls müde oder schlecht gelaunt sind, sich viel streiten, mich viel brauchen und beanspruchen. Tage, an denen vieles blöd läuft, an denen sich Unglücke häufen, an denen man froh ist, abends im Bett zu liegen.

Negativer Blick

Mich ärgert es aber, dass so oft mit einem negativen Blick auf Kinder geschaut wird. Kinder? Vier Kinder? Die müssen ja anstrengend sein! Anstrengend ist das Erste, was den Menschen in Bezug auf Kinder einfällt. Das macht mich unglaublich wütend und unglaublich traurig. Denn Kinder sind nicht anstrengend. Situationen, Momente sind manchmal anstrengend, werden je nach Gefühlslage als anstrengend empfunden.

Hätte ich mich für vier Kinder entschieden, wenn alles immer und nur so furchtbar anstrengend wäre? Sieht es gerade so anstrengend aus, wie ich mit meinen vier fröhlichen Kindern an einem warmem Frühlingstag spazieren gehe?

Das Schöne sehen

Ich würde mich freuen, wenn die Menschen den Blick zuerst auf das Positive richten würden, wenn sie das Schöne sehen würden. Ich würde mich freuen, wenn Sie zu mir Sätze sagen würden wie: „Oh, vier fröhliche Töchter. Wie schön!“, „Vier Kinder? Wie viel Freude sie haben.“, „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen sonnigen Tag mit ihren vier glücklichen Kindern.“ Danke!

Zuerst veröffentlicht auf familienmagie.de

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